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alter Wein in neuen Schläuchen?


By peterk - Posted on 12 Juni 2011

"Mitfahrzentrale gibt's doch schon längst" ist häufig die erste Reaktion von Neulingen zum Thema Dynamic Ridesharing. Dass es sich dabei lediglich um ein fatales Missverständnis handelt, zeigt folgender Vergleich zwischen herkömmlichen Mitfahrzentralen ("MFZ") und Dynamic Ridesharing Systemen ("DRS"):

  1. Eine Fahrt bei MFZ kann nicht adhoc erfolgen, sondern muss längerfristig geplant und vereinbart sein. DRS funktioniert dagegen völlig spontan für beide Parteien. Planung im Sinne einer festen Verabredung wird bei DRS überflüssig. Planung im Sinne eines automatischen Dauerauftrages ist allerdings denkbar.
  2. MFZ-Fahrten erfordern einen relativ hohen Kommunikationsaufwand (Treffpunkt, Zeit, Preis etc). Die Funktionsweise ähnelt nach meiner persönlichen Erfahrung eher einem schwarzen Brett (Angebot->Anfrage->Antwort zur aktuellen Verfügbarkeit->Zusage->Bestätigung und Merkzettel fortschreiben).
    DRS hingegen beinhaltet ein zentrales Vermittlungssystem auf Knopfdruck mit anschließend automatischer gemeinsamer Navigation und bargeldloser Bezahlung (siehe dazu auch mein Konzeptpapier).
  3. MFZ eignet sich aus den oben genannten Gründen praktisch nur für längere Strecken. DRS ist hingegen auch für Kurzstrecken ab ca. 10Km geeignet.
  4. MFZ ist nur für Einfachstrecken geeignet. Gemeinsame Rückfahrten sind aus terminlichen Gründen nur selten möglich. Tägliche Fahrten für Berufspendler sind daher mit doppeltem Aufwand verbunden. DRS als Knopfdrucklösung ist im Vergleich also doppelt im Vorteil.
  5. aus den beiden vorigen Punkten ergeben sich nun aber ganz neue Möglichkeiten. Besteht der Kreis der Mitfahrer bei MFZ erfahrungsgemäß hauptsächlich aus kostenbewussten Studenten und Auszubildenden, ist DRS potentiell in der Lage durch seine Spontanität den bisher noch völlig unerschlossenen Markt der Berufspendler zu bedienen. Das ist eine völlig neue Dimension. Werden bei MFZ schätzungsweise einige hundert oder tausend Mitfahrten täglich vermittelt, sind allein in Deutschland täglich über 20 Millionen Autopendler unterwegs!
    DRS kann daher einerseits in einer höheren Liga spielen. Zum anderen muss es das aber auch, denn die ausreichende Verfügbarkeit von Geboten und Gesuchen ist die zwingende Voraussetzung für Spontanität.

 Prinzipiell können daher beide Systeme gut koexistieren